David Lee

Web 1.0

Taupo (1. bis 7. November 2024)

Der Weg nach Taupo führte mich noch einmal an Rotorua vorbei. Dort hielt ich im Cafe Ciabatta an, das mir Monika empfohlen hatte. Es wurde offenbar auch von Schweizern betrieben. Das Lokal befand sich im Industriegebiet an einem Ort, wo man nicht einfach so vorbei kam. Es war aber erstaunlich gross und hatte viele Gäste. Ein nicht mehr so geheimer Geheimtipp. Das Gebäck war superlecker und auch der Capuccino schmeckte. Zudem war das Café innen schön und originell eingerichtet.

Danach fuhr ich wieder zu den Seen, es gab ja noch einige, die ich auf meinem Tagesausflug nicht gesehen hatte. Das war eine Enttäsuchung. Zwar waren auch die anderen Seen schön, aber es gab dort keinen allgemein zugänglichen Platz wie beim Blue Lake. Beim Lake Tarawera hatte es einen Bootssteg, aber ohne Sitzgelegenheit. Ich fuhr eine Weile der Strasse entlang, es kam eine Siedlung von Ferienvillen. Für die Besitzer sicher ein toller Ort, aber für einen kurzen Besuch taugte die Gegend nichts. Ich hatte nicht die Musse, um den See zu fahren, der doch sehr viel grösser war als der Blue und Green Lake.

Das ist der Green Lake alias Lake Rotokākahi.

Kurz nach halb drei kam ich in Taupo an. Die Unterkunft war ein eigenes Häuschen neben dem Haus der Vermieter Karl und Shona. Shona sah ich kein einziges Mal, mit Karl wechselte ich auch nur zwei, drei Mal ein paar Worte. Ich konnte alleine einchecken, der Schlüssel befand sich in einem Kästchen mit einer Zahlenkombination. Das Häuschen war gemütlich, ziemlich ruhig und total privat. Niemand sah mir in die Hütte, zwei Fenster bestanden aus Milchglas und überall liessen sich Vorhänge ziehen. Vor dem Eingang hatte es einen kleinen überdachten Sitzplatz, wo ich einen Kaffee oder ein Bier trinken konnte – auch hier war ich völlig für mich.

Was ich vermisste, war ein Platz zum Verstauen der Kleider. Sie blieben diese Woche einfach im Koffer. Eine Küche hatte diese Unterkunft nicht, aber Geschirr, Besteck und ein Wasserkocher waren vorhanden. Ich musste wegen meines Reizdarmsyndroms auf die Ernährung achten und bevorzugte daher Unterkünfte, wo ich selbst kochen konnte. In den ersten beiden Unterkünften konnte ich sogar glutenfreie Haferkekse mit Reis- und Maismehl backen. Das lieferte mir ein Frühstück, von dem ich wusste, dass es mir keine Probleme verursachte. Dass ich gezwungen war, auswärts zu essen, fand ich zunächst gut – es würde mir etwas Abwechslung verschaffen.

Taupo hatte einige Dinge mit Rotorua gemeinsam: Die Lage an einem See, warme Quellen, Tourismus. Die Stimmung gefiel mir hier jedoch auf Anhieb viel besser als in Rotorua. Taupo war kleiner und hübscher, nicht wenige Häuser hatten sogar Ziegel, was ich in Neuseeland zum ersten Mal bewusst wahr nahm. Es stank hier nicht nach Schwefel. Vor allem jedoch war der Ort friedlich und entspannt, dennoch lebendig, mit vielen Restaurants. In Rotorua war tote Hose, aber irgendwie nicht relaxed, eher suspekt. Die unangenehme Art von ruhig.


Zu Fuss wäre es etwas weit ins Zentrum von Taupo gewesen, ich ging in der Regel mit dem Auto. Im Pub Fox & Hounds bestellte ich Fish and Chips und ein alkoholfreies Bier, ich war der einzige Gast. Ich habe es ja gerne ruhig, aber das war dann selbst mir zu trist. Das Essen auch nicht besonders gut. Zwei Mal war ich im Dixie Browns, es hatte eine nette Atmosphäre, das Essen war okay, beim zweiten Mal hat mir die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA den Abend vermiest. Immer wieder flog ein Vogel in das Restaurant hinein, sprang auf die Tische, um sich Essensreste zu stibitzen. Draussen hätte mich das wohl kaum gestört, aber drinnen fand ich es gewöhnungsbedürftig.

Das Wetter war oft trüb, manchmal auch regnerisch, zwischendurch sonnig – Neuseeland halt. Insgesamt war es recht kühl, vor allem nachts. Der See war viel zu kalt zum Baden. In ihn flossen einige Bäche mit warmem Wasser, ich fand trotzdem am See keine Stelle, wo baden möglich gewesen wäre. Dafür im Spa Thermal Park am anderen Ende von Taupo. Die Stelle, wo das ging, war sehr klein, aber es hatte ausser mir nur zwei andere Leute. Der Spa Thermal Park war jedoch kein Bad, sondern einfach ein sehr schöner Naturpark. Ich spazierte dort an einem anderen Tag dem Fluss entlang bis zu einem grossen Wasserfall. Ein Motorboot für Touristen fuhr von unten so nahe an den Wasserfall, wie es ging. Es stank selbst in einiger Entfernung sehr nach Benzin.

Touristenattraktion Huka Falls

Einmal besuchte ich das Wairakei Thermalbad. Das war nun wirklich ein richtiges Bad mit Wasser aus warmer Quelle. Es war viel kleiner als die Blue Lagoon in Island, und ohne Sauna, Maske und anderen Schischi, einfach nur warme Pools. Mir gefiel es trotzdem. Entspannt und angenehm, nicht zu viele Leute. Der wärmste Pool war schon fast heiss, dort mochte ich nicht lange bleiben. Man konnte sehen, wie das warme bis heisse Wasser über einen künstlichen Bach und einen künstlichen Wasserfall in die Pools floss, und dort bildeten sich natürliche Kalkablagerungen, so wie bei Stalagmiten.

Ein weiterer kleiner Ausflug führte in den botanischen Garten. Auch der war sehr schön. Mich irritierte allerdings, dass er per Auto befahrbar war und die Leute dann tatsächlich mit ihren Riesencampern durch den Garten fuhren. Wenn sie anhielten, machten sie sich auch nicht die Mühe, den Motor abzustellen, sondern gafften einfach zum Camper hinaus.

Das Highlight meines Aufenthalts in Taupo war der Ausflug nach Wai-o-Tapa. Das war etwas weiter weg. Wai-o-Tapa lag eigentlich näher bei Rotorua als bei Taupo. Ich war trotzdem früh dort – mein üblicher Trick, um grösseren Menschenmengen auszuweichen. Es funktionierte perfekt. Um halb zehn war noch praktisch niemand im Park, als ich um halb zwölf rausging, war alles voll. An diesem geothermisch aktiven Ort dampfte und blubberte es, und an gewissen Stellen gab es sehr schöne Verfärbungen, so wie ich es von Island kannte. Nachdem ich vom Geblubber in Rotorua enttäuscht war, gefiel es mir hier viel besser. Geysire gab es allerdings nicht, abgesehen von einem künstlichen, der nicht zur Parkanlage gehörte und den ich auch nicht anschauen ging.


Auf dem Hinweg war die Schnellstrasse komplett gesperrt wegen eines Unfalls. Auf dem Rückweg, mindestens drei Stunden später, war sie immer noch komplett gesperrt. Nachdem ich die Umfahrung genommen hatte, landete ich einige Zeit später wieder an der gleichen Strassensperre. Grund: Die Umleitung war nicht weiter signalisiert, und das Navi führte mich im Kreis herum. Die Smartphone-Navigation war für meine gesamte Neuseeland-Reise eine riesige Hilfe, aber es klappte eben auch damit nicht immer alles.