Sydney (28. November bis 4. Dezember 2024)
Nach zwei Monaten Neuseeland und dem ersten Heimwehgefühl kam der kurze Abstecher nach Australien gerade richtig. Am Reisetag fühlte ich mich morgens etwas kränklich. Ich war darum froh, dass ich nicht um 10 Uhr aus der Unterkunft raus musste, sondern Nicci mich länger bleiben liess und mich sogar noch zu einem Käse-Scone einlud. Wir gingen zu Fuss zum Vogelmorn Precinct, einem sympathischen Café, das Teil eines ebenso sympathischen Gemeinschaftszentrums war. Den Rest der Zeit bis zum Flug und den Flug selbst schlug ich mit dem iPad-Game Balatro tot. Das Flugzeug war bis auf den letzten Platz besetzt, doch der Flug verlief recht angenehm, obwohl ich einen schlechten Platz hatte – in der Mitte der zweihintersten Reihe. Am Flughafen Sydney musste ich erneut durch die Biosecurity, die Kontrolle war aber lockerer als beim Flug nach Neuseeland. Die Sicherheitskontrolle in Wellington hatte mir beim Einchecken die Sonnencreme abgeknöpft, weil das eine Flüssigkeit galt, die die erlaubte Höchstgrenze überschritt. Der Security-Typ wusste wohl selbst, wie absurd das war und entschuldigte sich dafür.
Am Flughafen in Sydney fand ich mich nicht auf Anhieb zurecht. Nach längerem Rätselraten schaffte ich es, mit Zug und Bus halbwegs in die Nähe der Unterkunft zu gelangen. Allerdings musste ich immer noch 30 Minuten zu Fuss gehen. Im feuchtschwülen Klima mit zu warmen Kleidern und mit der schweren Tasche war das recht mühsam, ich schwitzte wie ein Schneemann im Sommer. Immerhin bekam ich so am Rande noch einen sensationell schönen Sonnenuntergang mit.
Simone, die Vermieterin, war nicht zu Hause, ich kam aber wie mittlerweile fast überall mit einer Schlüsselbox rein. Es war ein altes, für australische Verhältnisse wahrscheinlich sehr altes Haus, in der Nähe der Universität, mehrstöckig, unsere Wohnung war unten. Ich hatte ein Zimmer mit einem kleinen Schreibtisch und einem sehr grossen Schrank. Die Herdplatten in der Küche bestanden einfach aus gerollten Eisenstangen.
Es war ungewohnt warm, und das Bett hatte eine viel zu warme Decke. Zudem lärmten Flugzeuge, Trams und Möven. Auch das war ich vom ruhigen Neuseeland nicht gewohnt. Ich schlief schlecht.
Von meinen fünf Tagen in Sydney war nur an einem Tag wirklich schönes Wetter. Den nutzte ich deshalb voll aus. Morgens um halb neun war ich am Cogee Beach, der per Bus easy erreichbar war. Es war schon viel los, vermutlich weil es bereits am späteren Morgen richtig heiss wurde. Da ich gerade noch das letzte freie Schliessfach erwischte, konnte ich baden, ohne meine teure Kamera dem Risiko eines Diebstahls auszusetzen. Der Ozean war recht kalt und hohe Wellen wälzten eine Menge Pflanzenteile herum – nicht besonders angenehm. Am rechten Ende des Strands hatte es eine Art Pool ins Meer eingemauert. Hier wurden die Wellen zumindest teilweise gebrochen; der Pool war aber zu klein zum Schwimmen. Insgesamt hat mir der Strandbesuch sehr gefallen. Es herrschte eine tolle Atmosphäre. Wie sich die Leute gut gelaunt auf einen Schwatz trafen, ein bisschen Sport machten, dann in einem Café frühstücken – ein bisschen wie in einem Ferienort, aber ohne diesen Touristenmief.
Am Cogee Beach ist schon frühmorgens einiges los.
Am Nachmittag fuhr ich mit der Fähre nach Manly. Die Fahrt dauerte nur 20 Minuten, es fuhr alle zehn Minuten eine Fähre. Manly war super. Es gab zwar keine Schliessfächer und so konnte ich nicht baden, aber es fühlte sich trotzdem an wie ein Ferienparadies. Mit dem Unterschied, dass man hier am Feierabend oder an einem freien Tag hinging und nicht für zwei Wochen. Weihnachtsbäume und Badelatschen, das Australien-Klischee. Mindestens zehn Beachvolleyballfelder hintereinander, ein ganz anderes Niveau herrschte hier als bei uns. Überhaupt schienen sie alle so sportlich zu sein, die Australier. Ich ass einen Burger mit Frites auf einer Parkbank mit Aussicht auf den Strand. Dann schlenderte ich zurück zum Hafen und trank dort noch ein Bier, erneut mit Aussicht auf einen Strand. Der war klein, aber hier hatte es keine Wellen, weil hier bereits der Meeresarm begann, der in die Stadt führte. Die Temperaturen hier waren sehr angenehm, mit dem Wind konnte es sogar leicht kühl werden.
Am Strand von Manly. Ich komme wieder!
Tags zuvor schien auch schon zeitweise die Sonne, doch die Wetterkapriolen spielten mir einen Streich. Am frühen Nachmittag gönnte ich mir im Aussenbereich des Pubs «The Glenmore Hotel» ein sehr gutes Bier namens Carlton Draught und beschloss dann, auf die nahe gelegene Harbour Bridge zu gehen. Im Unterschied zu Aucklands Autobrücke war die Harbour Bridge zu Fuss begehbar. Nicht nur das, sie bot eine fantastische Aussicht auf die Stadt und hatte in einem turmartigen Pfeiler ein Museum, das die Geschichte der Brücke erklärte. Über 200 Treppenstufen hätte man zudem einen Aussichtspunkt erreichen können mit vermutlich noch besserer Sicht auf die Stadt. Daraus wurde allerdings nichts. Man liess mich nicht hinauf, wegen des schlechten Wetters. Bereits während meines Spaziergangs vom Pub bis zum Turm hatte sich das sonnige Wetter in eine dunkelgraue Wolkenwand verwandelt und die ersten Regentropfen fielen. Als ich die Treppe wieder herunterstieg, hudelte und goss, blitzte und donnerte es.
Obwohl man unterstehen konnte, wurde man nass, denn der Wind trieb den Regen auch unter das Dach, in alle Ecken. Auch andere suchten Schutz, ich kam ins Gespräch. Leute, die unter diesen Umständen die Brücke überquerten, erhielten als Empfang Applaus. Ich ging wieder in den Turm hinein, wurde dabei noch nasser, aber drinnen war ich wenigstens geschützt. Dann schien die Sonne wieder und vor dem immer noch dunklen Himmel ergab das wundervolle Fotos.
Ansonsten tat ich, was man bei mittelmässigem bis schlechtem Wetter halt so tut – ich besuchte Museen, schlenderte durch Parks. Die Town Hall hatte wegen einer Veranstaltung geschlossen, also stolperte ich im Queen Victoria Building nebenan herum. In diesem 1898 erbauten Konsumtempel sahen die Fenster aus wie Kirchenfenster. Zusammen mit dem Weihnachtsbaum entstand ein wenig der Eindruck, Shoppen sei eine Ersatzreligion. Oder zumindest ein Ersatz für den verlorenen Sinn, den Religion stiftet. Trotz meiner kritischen Einstellung konnte ich mich der Schönheit dieses Orts nicht entziehen. Der Ort war lebendig, aber zu dieser Zeit nicht überlaufen, und man konnte mit dem historischen Lift fahren. Sehr stilvoll. Das Gebäude gehörte teilweise der Stadt und wurde restauriert. Ursprünglich war es ein Marktplatz. Es hatte sehr viele schicke Cafés, definitiv auch ein Ort der Begegnung.
Im Centennial Park war ich gleich zwei Mal. Einmal bei leichtem Regen und dann noch einmal bei schönem Wetter. Viele Vögel, darunter diese lustigen Flötenkrähenstare, die es auch sonst überall in der Stadt hatte und die klangen wie R2-D2. Die über die Wiese watschelten und Selbstgespräche führten. Ein Pelikan und Schildkröten. In diesem Park gab es eine Spur für die Autos, eine für Velos und Inline-Skates, eine für Fussgänger und Jogger und eine für Pferde. Platz hatte es genug. Auch hier wurde es an der Sonne morgens um neun Uhr richtig heiss, und entsprechend viel los war schon um acht Uhr.
Sehr schön war das Circular Quay, die Promenade rund um den Hafen. Grosse Menschenmassen, aber das Quay war auch extrem breit, so dass es funktionierte. Sydney hatte etwa 5 Millionen Einwohner und damit etwa gleich viel wie ganz Neuseeland, dazu kamen noch die Touristen – aber die Stadt verkraftete diese Mengen irgendwie. Sie hatte ein gutes öffentliches Verkehrssystem, mit Zügen, Trams, Bussen, Fähren und einer U-Bahn. Ich konnte jeweils einfach mit meiner Kreditkarte ein- und auschecken, musste also nicht extra eine Prepaid-Karte für den öffentlichen Verkehr kaufen, was in Neuseeland immer etwas umständlich war. Gerade für Touristen wirklich sehr praktisch. Meine Unterkunft lag in der Nähe der Tram-Endstation der Linie 2 im Quartier Randwick. Das lag allerdings immer noch relativ nahe beim Zentrum, verglichen mit gewissen Suburbs – ich vermutete, dass dort dann auch die ÖV-Anbindung nicht mehr gut war. Unterkünfte in der Nähe des Zentrums mussten teuer und schwierig zu bekommen sein, ich merkte es den Angeboten auf Airbnb an.
Circular Quay bei Sonnenuntergang.
Obwohl das Wetter alles andere als perfekt war, obwohl ich häufig schlecht schlief und im hektischen Grossstadttrubel entsprechend genervt war, gefiel mir Sydney sehr gut. Eine richtig tolle Stadt!
Die ersten zwei Tage hatte ich in der Unterkunft keinerlei Kontakt zu irgend jemandem, obwohl ich merkte, dass ausser mir noch jemand in der Wohnung wohnte. Diese Person schien sich zu verschanzen, was mir Rätsel aufgab. Es widersprach der Beschreibung auf Airbnb, wonach Simone eine kontaktfreudige Person hätte sein sollen. Am dritten Tag stellte ich fest, dass die andere Person nicht Simone war, sondern eine Studentin, die ihr Zimmer neben meinem hatte. Simone sah ich später zwar auch noch, doch wir wechselten lediglich ein paar Worte, ein richtiger Kontakt kam bis am Schluss nicht zustande.
Am letzten Tag musste ich um 5:45 Uhr aufstehen, um es rechtzeitig auf den Rückflug nach Wellington zu schaffen – nur um festzustellen, dass dieser dann eine Stunde Verspätung hatte. Ich kaufte Nicci im Duty Free einen kleinen Gin, über den sie sich sehr freute. Mit dem Auto war laut Garagist alles in Ordnung, ich musste bloss 100 neuseeländische Dollar für den Check zahlen. Übernachten konnte ich bei Nicci nicht mehr, da schon etwas gebucht war. Die eine Nacht verbrachte ich bei Silke, die ein Häuschen mit einer fantastischen Aussicht über die Meeresbucht hatte. Leider war das Wetter trüb, so dass die Aussicht dann doch nicht so fantastisch war; und um Silke herum fühlte ich mich nicht recht wohl. Ich hatte immer das Gefühl, extrem aufpassen zu müssen, dass ich nicht etwas falsch mache.

