David Lee

Web 1.0

Nelson (5. bis 12. Dezember 2024)

Nun wechselte ich auf die Südinsel. Dazu musste ich erneut etwa um 6 Uhr aufstehen, um «rechtzeitig» beim Hafen zu sein. Rechtzeitig hiess viel zu früh. Denn mit der Autofähre war es ähnlich wie mit dem Flugzeug: Der Check-In vor Ort musste mindestens eine Stunde vorher geschehen, und dann hatte die Fähre noch Verspätung. So stand ich etwa zwei Stunden auf einem Parkplatz. Die Fahrt dauerte nochmals über drei Stunden. Da verging die Zeit aber schneller. Ich konnte oben aufs Deck und die Meeresarme bestaunen. Dies bei allerschönstem Wetter, obwohl zuvor in Wellington noch Hudelwetter war. Die Fähre hatte ein Café und ein Resti, man konnte Fussball schauen, und ich hatte immer noch nicht genug vom Balatro-Game. Mit anderen Worten: Die Zeit auf der Fähre verging angenehm schnell vorbei.

Eine entgegenkommende Fähre, etwa so hat auch meine ausgesehen.

Picton, das Ziel der Autofähre, hatte ich mir grösser und gemütlicher vorgestellt; es war kein Ort, um zu verweilen. Ich sah zu, dass ich möglichst schnell von dort weg kam. Die Fahrt von Picton nach Nelson gefiel mir sehr. Die Landschaft mit ihren Nadelwäldern sah anders aus als auf der Nordinsel. Wenig Verkehr, angenehm zu fahren. Der Motor des Autos stotterte zeitweise immer noch. Bei der Unterkunft in Nelson hatte ich grosse Probleme, die sehr schmale Rampe rückwärts hochzufahren. Ein gut gelaunter älterer Mann kam aus dem Haus, und es stellte sich heraus, dass ich beim falschen Haus war. Er könne mir schon ein Bett und Frühstück geben, aber das sei wohl nicht, was ich wolle, witzelte er. Auch fand er es beachtlich, dass ich es mit dem Auto zu ihm hinaufgeschafft habe – der enge Weg war nicht zum Befahren gedacht. Dass ich am gleichen Tag noch rückwärts in einen Stein fuhr, war dann weniger eine Glanzleistung. Glücklicherweise gab es nur ein paar Kratzer an der Stossstange.

Die korrekte Unterkunft befand sich gleich nebenan; hier checkte ich, wie so oft, ohne persönlichen Kontakt ein. Ich hatte ein sehr grosses Zimmer mit Sofa, eigenem Bad und eigenem, grossen Balkon. Das ganze befand sich über der Garage und war, wie so oft, vom Hausteil der Vermieter getrennt. Vom einen Fenster sah ich in Richtung Meer, wo abends die Sonne unterging. Das fand ich sehr schön, es heizte aber auch das Zimmer auf, da die Sonne den ganzen Nachmittag ans Fenster brannte und das Fenster wie in Neuseeland üblich, keinen Sonnenschutz an der Aussenseite hatte, weil in Neuseeland die Fenster nach aussen öffnen.


Ausserhalb des Zimmers, im unteren Stock neben der Garage, befand sich eine «Kitchenette». Also eine kleine, rudimentäre Küche. Obwohl das Kochen hier keinen grossen Spass machte, benutzte ich die Kitchenette oft; denn Essensmöglichkeiten in der Nähe gab es keine.

Am ersten Abend genoss ich das wunderschöne Wetter auf dem riesigen Balkon. Es war sehr warm, perfekt für ein kühles Bier. Allerdings wehte auch ein starker Wind und ich bekam zum ersten Mal auf Neuseeland richtig Heuschnupfen, mit beissenden Augen. Kein Wunder, denn der Balkon zeigte gegen einen von hohem Gras bewachsenen Hügel.

Obwohl es erst Anfang Dezember und ich auf der Südinsel war, konnte ich im Meer baden. Und es war nicht einmal kalt. Das erstaunte mich. Nelson scheint ein gutes Mikroklima zu haben – die Bucht zeigt gegen Norden, also gegen die Sonne, gleichzeitig ist diese Küste vor kalten Südwinden geschützt. Ich badete auf der Rabbit Island, wo sich entgegen dem Namen keine Hasen befanden. Der Wind blies den Sand umher, es hatte viele Fliegen und stank, der Sand wurde ausserdem sehr heiss. Viel angenehmer war es anderntags am Tahunanui Beach.

Nelson ist die älteste Siedlung auf der Südinsel und hat tatsächlich so etwas wie ein historisches Stadtzentrum. Es gefiel mir. Ich hätte gerne irgendwo ein Bier getrunken, aber das ging ja nicht, weil ich natürlich mit dem Auto hinfuhr. Die Autozentriertheit in diesem Land störte mich immer mehr.

Im Zentrum von Nelson befand sich auch – wie könnte es anders sein – ein schöner Stadtpark.

Von Nelson aus war ich relativ schnell beim Abel Tasman National Park, den ich gleich als erstes besuchte. Die Wanderung der Küste entlang ist etwas vom Bekanntesten auf Neuseeland und entsprechend viele Leute hatte es. An jenem Freitag auch ganze Teenager-Horden, die mit Bluetooth-Speakern unterwegs waren. Nicht der richtige Ort, wenn man allein in der Natur sein wollte. Ich hätte eine mehrtägige Tour der Küste entlang machen können, aber dann hätte ich in den Hütten lange im Voraus reservieren und mich entsprechend vorbereiten müssen. Darauf hatte ich keine Lust, ich wollte lieber spontan und flexibel sein. Was aber den Nachteil hatte, dass ich im Park nicht sehr weit kam.

Im Abel Tasman Park.

Die Küste des kurzen Abschnitts war zwar toll, aber meistens wanderte ich im Wald und sah nicht viel. Ich ging bis zum zweiten oder dritten Sandstrand, und ass dort meinen unterwegs gekauften Scone. Ein Weka pickte die Brosamen vom Boden auf, dann spazierte er unter der Sitzbank durch. Als ich nachsehen wollte, wo er war, pickte er den ganzen Scone von der Bank, und er fiel in den Sand, war aber noch problemlos essbar. Wieder mal ein Beispiel, wie wenig scheu die Vögel auf Neuseeland waren.

Da ich nur einen winzigen Teil des Abel Tasman National Parks gesehen hatte, wollte ich ihn noch einmal von der anderen Seite her besuchen. Dazu kam es allerdings nicht, weil ich schon auf der Fahrt Richtung Park immer wieder anhielt, um die Gegend zu erkunden. Auf der Passfahrt führte mich ein kurzer Spaziergang zum Hawkes Lookout, einer Aussichtsplattform, die Grotte in der Nähe war geschlossen. Wenig später halte ich erneut und wandere etwa eine halbe Stunde zum Takaka Hill mit einer tollen Rundumsicht.

Die Fahrt führte den Pass herunter und ebenaus Richtung Meer bis Pohara, wo ich ein Brötchen auf einer Bank am Meer ass. Ich spazierte am Sandstrand mit interessanten Felsen herum. Danach fuhr ich noch etwas weiter zum Taka Beach. Der sah auf den Fotos auf Google Maps schön aus, war aber an diesem Tag schmutzig. Ich beschloss hier, umzukehren, da es bereits Nachmittag war. In Takaka, einem für neuseeländische Verhältnisse schmucken Dorf, ass ich einen Wrap und trank einen Kaffee.


Ansonsten war das Brook Waimarama Sanctuary ein Besuch wert; ein weiteres eingezäuntes Naturschutzgebiet, das grösste in Neuseeland. Ich wanderte darin etwa zwei Stunden. Es war schön, aber besonders viele Vögel sah ich nicht. Tuis natürlich, dazu ein Korimako, und eine winzige Maus. Eher zufällig entdeckte ich das Aniseed Valley, und unternahm von dort eine kurze Wanderung zu den Whispering Falls. Die Wasserfälle waren – einmal mehr – nicht so berauschend, aber die Wanderung war überragend schön. Ein bisschen wie bei uns in den Alpen. Ich spazierte entlang eines recht grossen Baches. Kaum Leute. Ein wohltuender Kontrast zum Abel Tasman Park.


Deanna, die Vermieterin, empfahl mir die Nelson Lakes. Ich entschied mich für den Lake Rotoroa, was sich als Flop herausstellte. Nach einer Autofahrt von 1,5 Stunden stand ich am See – und es gab eigentlich nichts, was ich dort hätte tun können. Ich sass auf die einzige Bank, machte ein Foto, und das wars. Etwas weiter hinten hätte es einen 1,5-stündigen Waldwanderweg gegeben, aber darauf hatte ich keine Lust, zumal da Sandfliegen waren. Theoretisch hätte ich mit einem Wassertaxi ans andere Ende des Sees fahren und dort eine Wanderung machen können. Aber das wäre nur im Rahmen einer mehrtägigen Tour sinnvoll gewesen.

Der Neuseeländer als solcher isst anscheinend nur vorgeschnittenen Toast und braucht daher kein Brotmesser. Nach der x-ten Unterkunft ohne Brotmesser beschloss ich, mir eines zu kaufen. Im Supermarkt gab es das nicht, aber in einem grossen Warenhaus fand ich eines.