Blenheim (12. bis 15. Dezember 2024)
Der Weg von Nelson nach Blenheim führte über einen veritablen Pass, dauerte aber nur etwa zwei Stunden. Die Unterkunft war wieder mal ein separates Häuschen – viel Privatsphäre, wenig Kontakt. Die Leute freundlich und unkompliziert, eine Familie mit Teenagerkindern. Und eine stürmische Hündin, die einem ganz schön erschrecken konnte, aber im Prinzip ebenfalls freundlich war. Das Häuschen war wesentlich kleiner als in Nelson, das Bad war winzig, aber das Studio hatte alles, was ich brauchte. Sogar eine richtige Küche mit zwei mobilen Kochplatten. Dennoch merkte ich hier, dass ich langsam genug hatte von diesen Airbnbs. Ich sehnte mich nach meiner eigenen Wohnung, wo alles so war, wie ich es haben wollte und nicht wie es sich eine fremde Person ausgedacht hatte.
Am Ankunftstag war es bewölkt mit leichtem Regen; danach wurde es schön und sehr warm. Oder sogar heiss, ich hatte zum ersten Mal das Gefühl von einem richtigen Sommer wie in Europa. Die Gegend hier ist ein Weinbaugebiet und verfügt anscheinend über ein mildes und sonniges Klima. Das Meer war aber viel kälter als in Nelson. Ich fuhr an den Strand, wo die Hügel des Marlborough begannen. Sehr schön. Spazierte ein wenig herum. Dann fuhr ich an den Whites Bay. Eine sehr schöne Bucht mit Sandstrand, es hatte keine Wellen und wäre perfekt zum Schwimmen gewesen, aber eben: ich schaffte es nur bis zu den Oberschenkeln ins kalte Wasser. Am Stand windete es mir Sand in die Augen. Hier waren viele Leute, ganze Schulbusse voller Kinder, der Strand war aber gross genug für alle, sie störten mich nicht.
Das Motorstottern des Autos war schon auf der Fahrt nach Blenheim sehr deutlich und wurde danach noch schlimmer. Es vermieste mir den Aufenthalt in Blenheim gehörig. Mein Aufenthalt in Blenheim war für eine Reparatur zu kurz. An meinem nächsten Aufenthaltsort hatte es nur eine Garage und die hatte keinen Termin. Ich musste die Reparatur auf Ende Dezember in Christchurch verschieben und hoffen, dass die Karre bis dann durchhielt.
Ich benutzte das Auto nur noch, wenn es unbedingt nötig war. Einmal wanderte ich von der Unterkunft aus los, obwohl das ja, wie ich inzwischen wusste, in Neuseeland keine so gute Idee war wie in der Schweiz. Aber einigermassen in der Nähe befanden sich die Wither Hills, braune Grashügel, die mich faszinierten. Es war erlaubt, das wahrscheinlich private Gelände zu betreten, aber sehr weit kam ich nicht. Irgendwann stand ich vor einer eingezäunten Schafherde, und das wars dann. Faszinierend hier war die Ruhe – ich hörte nichts ausser dem Rauschen der Gräser im Wind und gelegentlich das Rufen eines Lamms, das sich zu weit weg von der Herde fühlte.
Ich hielt es für angemessen, hier Wein zu trinken. Kaufte einen Wein, der «Haha» hiess, trank zu viel davon, hörte den Song «I drink Wine» von Adele und weinte. Klingt erfunden, doch genau so wars.

