David Lee

Web 1.0

Hanmer Springs (15. bis 23. Dezember 2024)

Da ich den Aufenthalt in Christchurch über Weihnachten und Neujahr bereits gebucht hatte, brauchte ich noch etwas, um die Lücke zwischen Nelson und Christchurch zu füllen. Doch zwischen Blenheim und Christchurch gab es kaum einen Ort, der mir einen mehrtägigen Aufenthalt wert schien. Die Käffer an der Ostküste schienen höchstens für einen kurzen Stop geeignet, und ich wollte nicht jeden Tag umziehen. Um die Lücke zu füllen, buchte ich acht Nächte in Hanmer Springs, einem kleinen Ferienort in den Bergen.

Auf der Fahrt der Ostküste entlang blieben mir nur zwei Dinge im Gedächtnis: Erstens, dass ich zum ersten Mal auf Neuseeland Nebel sah, und zweitens, dass es hier über weite Strecken nichts gab ausser türkisblaues Meer.

Obwohl ich wieder über Airbnb buchte, landete ich in einem Motel, wie es sie in Hanmer Springs zu Dutzenden gab. Der Typ an der Rezeption fragte mich erstaunt, was ich denn acht Tage hier mache. Das wusste ich selber nicht so genau, vielleicht ein bisschen wandern und natürlich ins Thermalbad. Rückblickend gesehen waren acht Tage tatsächlich viel zu lang. Hanmer Springs war ein kleines Kaff mit nicht einmal tausend Einwohnern, und allzu viele Wanderungen gab es nicht.

Blick vom Hügel am nördlichen Ende des Dorfes.

Anfänglich genoss ich die Ruhe sehr. Ich kam an einem Sonntag Nachmittag an, war froh, dass das Auto bis hierher durchgehalten hatte, sass in meinem Apartment und fand es auf eine gute Art langweilig. Genau so stellte ich mir Erholung in den Bergen vor. Im Hinterhof stand eine Birke, die sich in der Jahreszeit geirrt haben musste – sie trug Orange.

Blick aus dem Zimmer in den Hinterhof.

Mit der Zeit wurde die Langeweile eher bedrückend als erholsam. Das Wetter war meistens schlecht, eines Morgens hatte es sogar etwas Schnee auf den Bergspitzen. Natürlich machte ich auch bei schlechtem Wetter einige Spaziergänge, aber viel Zeit verbrachte ich im Zimmer.

Das Bett war super. Überhaupt waren die Betten in meinen Unterkünften durchgängig gut. Das Zimmer war gross, hatte einen Tisch und wie so hatte es so halb eine Küche und so halb keine. Lavabo, ein leicht stinkender Kühlschrank und Geschirr waren vorhanden, aber keine Kochplatten. Man konnte sich Essen direkt aufs Zimmer bestellen lassen, zu recht günstigen Preisen. Das tat ich mehrmals, denn ich fand es deprimierend, alleine in einem Restaurant zu verweilen. Ausserdem bescheinigten die Google-Rezensionen dem Hotel-Restaurant zwar gutes Essen, aber ein eher schmuddeliges Interieur.

Das Bad des Apartments war ein sinnlos grosser Raum, ohne Abstellflächen oder Haken. Der Boden war klebrig. Wenn ich das Licht anzündete, schaltete sich immer auch der Ventilator ein und machte Lärm. Einer der Lichtschalter knisterte beim Einschalten, dass mir Angst und bange wurde. Ich hörte die andern Gäste und sah sie auch. Man guckte sich hier ständig in die Zimmer, weil alle die Fensterfront gegen den Gang gerichtet hatten. Dabei hatte ich noch eines der besten Zimmer – manche hatten ihre Fensterfront ebenerdig direkt am Parkplatz. Zum ersten Mal auf meiner Reise hatte ich eine Badewanne – abgesehen vom Jacuzzi im Oktober. Sie verfügte über Sprudeldüsen, die mächtig Lärm verursachten, ansonsten aber wenig bewirkten.

Es gab einige Wanderwege, die man direkt vom Dorf aus erreichte, das waren aber eher Spaziergänge. Für die grösseren Routen brauchte man ein Auto – und zwar ein geländegängiges. Mit meinem Suzuki kam ich auf den unbefestigten Schotterpisten mit ihren Wasserlachen und tiefen Spurrillen nicht weit.

Darum fahren sie in Neuseeland mit diesen Pickup Trucks herum.

Zwei Wanderungen unternahm ich dennoch. Die erste bei schlechtem Wetter auf den Jollies Pass. Ich wanderte einfach auf der Piste, statt sie zu befahren. Es kam nie ein Auto. Überhaupt begegnete ich nur einer einzigen Person, einem Jogger. Es war sehr kühl, aber windstill. Frische, herrliche Bergluft. Zwitschernde Vögel. Eine wilde Katze im Wald. Und ein totes, schon ziemlich verwestes Possum auf dem Weg. Oben auf dem Pass fehlte die Panorama-Belohnung, nicht wegen dem Wetter, sondern weil dieser Pass einfach keine Aussicht bot.

Das war auf der zweiten Wanderung ganz anders – auf dem Hochplateau unter dem Mount Isobel hatte ich eine fantastische Rundumsicht. Dies bei herrlichem Wetter - es war der einzige durchgängig schöne Tag meines Aufenthalts in Hanmer Springs. Ich brauchte immer deutlich weniger lange als die angegebenen Wanderzeiten – ein schöner Kontrast zur Schweiz, wo ich oft länger brauche.


Landschaftlich faszinierte mich Hanmer Springs von der ersten Minute an. Erst mit der Zeit wurde mir klar, weshalb: Der Ort liegt auf einer flachen, etwa fünf Kilometer breiten und zehn oder fünfzehn Kilometer langen Ebene – und rundherum sind Berge. Egal, wo ich hinschaute, ich sah immer Hügelketten. Sie waren so nahe, dass ich sie gut sah, aber weit genug, um nicht das Gefühl zu haben, in einem Loch zu sitzen oder ein Brett vor dem Kopf zu haben. Ausserdem hielten die Berge die Winde ab.

Auf dem Spaziergang im Wald sah ich viele Feenhäuschen.

Das Thermalbad war die Hauptattraktion von Hanmer Springs. Die meisten Neuseeländer kamen hierher für einen Tagesausflug. Das Bad bestand hauptsächlich aus warmen bis heissen Pools. Das ging natürlich bei jedem Wetter. Die ganze Anlage befand sich im Freien, darum war es trotzdem nicht schlecht, wenn es sonnig und warm war. Zudem gab es auch ein gewöhnliches Schwimmbecken und eine Rutschbahn. Ich probierte alles aus. Denn ich wusste nicht, wann ich wieder Gelegenheit dazu hatte – Badis waren auf meiner Neuseelandreise eine Seltenheit. Besonders gross war die Therme nicht, nach zwei Stunden hatte ich alles ausprobiert, teilweise mehrfach.

So richtig auswärts essen war ich in diesem Ort nur einmal, im Vintage Bar&Bistro. Die Fish und Chips waren sehr gut, es herrschte auch eine gute Atmosphäre – aber eben, trotz ein bisschen Small Talk fühlte ich mich sehr allein.