David Lee

Web 1.0

Dunedin (6. bis 15. Januar 2025)

Die Fahrt von Kurow nach Dunedin verlief angenehm. Erstmals auf Neuseeland musste ich bei Sonnenschein weder die Klimaanlage einschalten noch das Fenster öffnen. Bei einer kurzen Rast am Meer wurde mir klar, weshalb: Es war kühl, ich war jetzt weit im Süden. In Dunedin selbst war es dann allerdings wieder warm, weil die hohen Häuser den Wind abhielten. Nachdem ich meine Sachen in die Unterkunft gebracht hatte, schlenderte ich ein wenig in der Stadt umher und trank im Dunedin Social Club an der Sonne ein Bier. Dunedin war der südlichste und wahrscheinlich im Sommer kühlste Ort meines Neuseeland-Trips, aber an diesem Tag war davon nichts zu spüren. Ich sass da am zentralen Platz, untypisch für Neuseeland fühlte es sich an wie ein richtiger Treffpunkt, und endlich mal etwas Leben auf der Strasse, es gefiel mir sehr gut. Am Tisch nebenan vier Frauen um die 50, die sich einen ansoffen und es lustig hatten. Ich genehmigte mir auch noch ein Bier. Und zwar ein Speights, dessen Brauerei ganz nahe bei meiner Unterkunft stand. Danach ging ich noch etwas weiter – ich hatte mit den zwei grossen Bieren auf nüchternem Magen schon leicht einen sitzen, wollte aber das gute Wetter ausnutzen. In der Nähe des Meeres stand ein sehr eindrückliches Gebäude mit einem Ziergarten – fast wie ein Schloss. Erstaunt stellte ich fest, dass es sich um den Bahnhof handelte. Das prunkvolle Gebäude stand in keinem Verhältnis zur eigentlichen Bahn: Diese war rückständig und weitgehend bedeutungslos. Es verkehrten ein paar dieselbetriebene Güterzüge sowie ein Sightseeing-Personenzug, betrieben von einer privaten Firma. Normale Personenzüge, um z.B. nach Christchurch zu gelangen, gab es nicht mehr.


Neben dem Bahnhof war eine imposante Dampflokomotive ausgestellt, leider hinter Glas und damit unfotografierbar. Sie wurde erst 1959 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Logischerweise war sie nicht lange in Betrieb, 1971 war auch hier fertig mit Dampfmaschinen-Zügen.

Dunedin wuchs im 19. Jahrhundert extrem schnell und war wegen des Goldrauschs auch wohlhabend. Deswegen hat die Stadt bis heute einen für neuseeländische Verhältnisse recht grossen historischen Kern und fühlt sich dort auch wie eine Stadt an. Im Jahr 2025 wirkte die Stadt eher etwas verschlafen und keineswegs reich.

Zurück traf ich neben der Vermieterin Siena auch ihren Mann Thomas, beide schätzungsweise um die 30. Sie waren sehr nett. Ich schaffte es aber nicht, eine längere Konversation zu führen – zu müde, zu beschwipst, zu whatever. Es war glaubs etwas seltsam, wie ich das Gespräch beendete, indem ich einfach wegging. Ich kochte mir noch etwas und schlief dann bei einer Youtube-Dokumentation über Lord of the Rings ein.

Am nächsten Morgen war es erneut schön. Das Häuschen, in dem ich wohnte, befand sich an einem steilen Hügel und war auf Stelzen gebaut. Es hatte eine Terrasse mit Blick über die Stadt. Es war windstill und warm, so dass ich schon frühmorgens auf der Terrasse frühstücken konnte.

Danach fuhr ich zur Otago Peninsula, zuerst den Hügel hoch, und mache ein paar Fotos von der tollen Aussicht. Danach ging es runter zu Portobello und dem Meer entlang zurück zur Stadt. Am Nachmittag wurde das Wetter trüber und gegen Abend fing es an zu regnen.

Da ich mich nun wieder in einer Stadt befand, liess ich mir die Haare schneiden, was längst fällig war. Ich kaufte neue Jeans, die alten gingen kaputt. Und ich machte das erste Mal auf Neuseeland Sport, wenn man von meinen kurzen Surf-Versuchen mal absieht. Am Meer hatte es einen geheizten Swimmingpool, ein Freibad quasi, nicht gross, aber es hatte auch nicht viele Leute, so dass Schwimmen gut möglich war. Ich schwamm über 30 Längen im 25-Meter-Becken. Danach fühlte ich mich sehr gut, doch am nächsten Tag bekam ich plötzlich Schmerzen in den Hoden, den darauf folgenden Tag verbrachte ich im Bett, danach ging es wieder. Ich besuchte das Orokonui Ecosanctuary. Es befand sich auf einem Hügel, schöne Landschaft, ich sah Papageien, natürlich Tuis und Fantails, mehrere überhaupt nicht schüchterne Robins, sehr herzige kleine Vögel, einen Otago Skink, Takahe, diese blauen Vögel mit dem roten, kräftigen Schnabel, Bellbirds (kaum fotografierbar) und in einem Gehege Tuatara.


Ein weiterer Ausflug führte mich zur Sandfly Bay. Aufgrund des trüben Wetters und meines nicht besonders guten Zustands war ich erst wenig motiviert, doch es lohnte sich. Den Namen hat die Sandfly Bay nicht von den stechenden Fliegen, sondern davon, dass der Sand vom Wind umher fliegt. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht, und kaum war ich unten, lagen auch schon zwei grosse Robbben vor mir. Seelöwen. Das eine Tier richtete sich freundlicherweise genau in dem Moment auf, als ich es fotografieren wollte und führte einen kleinen Tanz auf, den ich filmte. Dazu überall Möven. Fast noch mehr Glück hatte ich beim Abstieg kurz zuvor, als ich eine nur etwa 3 Zentimeter grosse Maus sehe und mit dem Handy filmen konnte; sie war nicht wirklich scheu. Die Mäuse sind wie die Kaninchen zwar supersüss, aber ein Problem. Sie fressen den Vögeln die Nahrung weg und dezimieren gewisse Insektenarten massiv. Angeblich attackieren sie sogar Albatross-Jungvögel, die bis zu 90 cm gross sind, indem sie ständig an ihnen herumnagen. Kaum vorstellbar.


Autofahren war in Dunedin ähnlich mühsam wie in Wellington: enge, steile Gässchen, dazu falsche Anweisungen vom Navi. Aber ich wohnte so zentral, dass ich oft zu Fuss unterwegs war. Auch zum botanischen Garten ging ich zu Fuss, was allerdings weiter war als gedacht. Das Highlight dort war die Vogel-Voliere mit diversen Papageien und anderen Vögeln. Ein Kakadu grub ein Loch, als ob er ausbrechen wollte, und sagte alle fünf Sekunden «hello», obwohl er einen Stein mit dem Schnabel trug. Die Papageien und Loris klammerten sich mit ihren Schnäbeln am Gitter fest und hangelten so kopfüber abwärts oder auch seitwärts.

Mit den Vermietern war es etwas seltsam. Sie waren nett, aber ich fand es schwierig, ins Gespräch zu kommen. Die Küche wäre ja ein Treffpunkt für einen unverbindlichen Schwatz, aber sie kochten nie, sondern gammelten mit Fast Food auf dem Sofa oder in einem abgeschlossenen Zimmer herum. Ich dagegen kochte immer, die Küche war super. Die an sich sehr schöne Wohnung war allerdings ziemlich versifft. Ich meine, mal den Haarballen aus dem Abfluss ziehen ist eine Sache von zwei Sekunden, also machte ich es. Ich leerte auch den übervollen Absallsack, den sie nicht leerten. Ich erfuhr dann gegen Ende meines Aufenthalts, dass ich der letzte Airbnb-Besucher war – sie gingen auf eine längere Reise nach Südamerika und gaben das Haus auf. Wahrscheinlich gab es für sie einfach keinen Grund mehr, sich da besondere Mühe zu geben.

Ingesamt haben mir sowohl die Stadt Dunedin als auch die Umgebung gut gefallen.