Wanaka (23. bis 30. Januar 2025)
Der Aufenthalt in Wanaka war komplett ungeplant; es war die Folge eines Autounfalls. Auf dem Programm wäre die Fahrt von Queenstown nach Whataroa gestanden. Eine sehr lange Fahrt, etwa sechs Stunden. Das Wetter in Queenstown war erstmals schlecht, es regnete. Die Fahrt begann mit einem langwierigen Stau. Am anderen Ende der Stadt kaufte ich ein Sauerteigbrot im Supermarkt und musste bereits pinkeln. Verschob das aber auf Cardrona, einem kleinen Ort zwischen Queenstown und Wanaka, den ich von meiner ersten Fahrt her kannte.
Dort kam ich mit meinem Auto aber nie an. Ein paar Kilometer vorher geriet ich auf der nassen, kurvigen Fahrbahn ins Schleudern. Ich fuhr abwärts, aber nicht besonders schnell. Kurz zuvor sah es noch ein Schild mit dem Hinweis «slippery when wet». Jup.
Ohne ersichtlichen Grund fing das Auto plötzlich an, sich zu drehen. Ich wollte korrigieren, wusste aber, dass ich nicht zu stark bremsen und gegenlenken durfte, sonst würde ich komplett die Kontrolle verlieren. Einen Moment lang dachte ich, dass ich es schaffe, dann drehte das Auto aber um fast 180 Grad, und ich kam rückwärts von der Strasse ab, wo ich durch den Hang aufwärts gestoppt werde. Das Auto stand fast in einem 45-Grad-Winkel da; wenig mehr, und es wäre auf die Seite gekippt.
Ich hatte Glück im Unglück. Ich konnte problemlos aussteigen und war unverletzt. Nur eine kleine Schramme am Daumen. Auch meine Sachen waren alle noch ganz. Das Auto sah weniger gut aus. Mindestens ein Reifen war platt, vorne sah es nach mehr als nur Blechschaden aus.
Auto fahren. Uncool.
Sofort hielten mehrere Autos an, Leute fragen mich, wie es mir geht. Einer versuchte, per Satelliten-Empfang Textnachrichten abzusetzen, da es hier ausserhalb – wie in Neuseeland üblich – keinen Mobilfunkempfang gab. Einer regelte den Verkehr. Auf der Strasse lag Öl; es war unklar, ob ich deswegen ausgerutscht war, oder – wahrscheinlicher – ein Leck von meinem Auto.
Der mit dem Satellitentelefon, Leo hiess er, fuhr mich nach Wanaka, wo er selbst hinmusste. Er hatte viel Platz im Auto, so dass ich mein ganzes Gepäck mitnehmen konnte. Noch während der Fahrt buchte ich eine Unterkunft für eine Nacht, und Leo fuhr mich gleich dort hin. Ich konnte nach kurzer Zeit auch einchecken. Die Unterkunft war zwar nicht zentral gelegen, aber ruhig, sauber und es wohnten da sehr nette Leute, ein jüngeres Paar.
Den Nachmittag verbrachte ich mit herumtelefonieren und texten. Ich musste das Auto abschleppen lassen, soviel war klar, die Polizei kam nicht, weil keine Verletzungen, keine Beschuldigungen, kein Hindernis auf der Strasse. Der Abschleppdienst fragte, in welche Garage er das Auto bringen sollte. Ich hatte erstaunlich viel Mühe, eine Gerage zu finden, unter anderem, weil ich den Unterschied zwischen Mechaniker und Spengler auf Englisch nicht verstand. Im etwa vierten Versuch geriet ich dann an den Richtigen. Der fand allerdings aufgrund meiner Fotos, dass es sich nicht lohnte, das Auto zu reparieren. Das hätte mindestens 4000 Dollar gekostet. Ich vermutete zudem, dass die Reparatur lange dauern würde.
Nachdem ich noch einen Abwrackdienst kontaktiert habe, der aber nicht sofort antwortete, frage ich den Spengler, ob er das Auto trotzdem nehmen würde. Er bejaht. Über Geld reden wir nicht. Meine Vermieter fanden, ich solle noch Geld einfordern und boten sogar an, mit denen zu telefonieren.
Danach musste ich meine Reise neu organisieren. Wanaka war viel kleiner als Queenstown; ich konnte hier kein Auto mieten und schon gar keines kaufen. Ich beschloss, ein paar Tage hier zu bleiben, dann mit dem Bus nach Queenstown zu fahren und von dort aus mit dem Flugzeug nach Tauranga zu fliegen. Dort würde ich dann ein Auto mieten für den Rest meines Aufenthalts.
Das bedeutete, dass ich die Westküste Neuseelands mit seinen schönen Gletschern nicht besuchen konnte. Die teure Autofähre auf die Nordinsel konnte ich nicht stornieren. Aber immerhin habe ich eine Lösung. Immerhin ging es weiter.
Am Abend gaben mir Nicola und Hamish etwas Wein (Nicola arbeitete ab und zu bei einem Winzer) und etwas zu essen, wir plauderten ein wenig und ich konnte mich endlich etwas entspannen. In meiner Situation war ich extrem froh darüber, wie freundlich die Menschen in Neuseeland waren. Hamish erzählte mir, dass er mein Auto am Strassenrand gesehen hatte, bevor er nach Hause kam. Dann erfuhr er, dass der Fahrer jetzt bei ihm übernachtete.
Um diese Jahreszeit war es in Wanaka schwierig, ultrakurzfristig eine Unterkunft zu finden. Eigentlich war es nur möglich bei Leuten, die eine kleine Lücke hatten zwischen zwei Buchungen. Das hatte zur Folge, dass ich drei Mal innerhalb von Wanaka umziehen musste – mit sehr viel Gepäck und ohne Auto. Auch in diesem Fall waren die Leute wieder sehr nett und hilfsbereit. Ich wurde drei Mal zur nächsten Unterkunft gefahren. Nur bei der letzten Unterkunft musste ich alles selber zur Bushaltestelle bringen.
Velo fahren. Sehr cool.
Zuerst übernachtete ich zwei Mal bei einer älteren Frau, die ein sehr schönes, neues Häuschen am Rande von Wanaka hatte. Ich konnte ihr Fahrrad benutzen. Es war zuerst platt und alles andere als ein gutes Fahrrad, aber immerhin hatte ich so etwas Bewegungsfreiheit – zu Fuss wären es laut Google Maps 45 Minuten ins Zentrum gewesen. Läden hatte es in der Umgebung keine. Und ich merkte einmal mehr, wie viel toller Fahrradfahren im Vergleich zu Autofahren ist. Meine Gastgeberin war sehr nett und alles war bestens, aber sie trank wohl zu viel Alkohol. Als ich sie kurz vor 22 Uhr noch etwas wegen der Klimaanlage fragen wollte, war sie schon so schlecht beeinander, dass sie mir kaum noch Auskunft geben konnte.
Die nächste Unterkunft war sensationell. Die luxuriöseste meines gesamten Neuseeland-Aufenthalts. Ich hatte ein ganzes Haus für mich allein, man hätte zu viert hier übernachten können. Es war modern, schön, ruhig und sauber. Da war ich wirklich froh darum, denn einerseits regnete es den ganzen Tag und ich konnte mich drinnen gut vertun, andererseits war ich auch einfach froh um etwas Luxus. In Dunedin und Queenstown war es alles andere als luxuriös, zeitweise sogar eklig. Trotz seiner ruhigen Lage befand sich das Haus nur wenige Fussminuten vom Ortskern entfernt.
Die vierte und letzte Unterkunft in Wanaka war weniger schön und weniger gross, die Aussicht miserabel (ich blickte auf das geparkte Auto der Nachbarn), und ich hörte die Nachbarn von oben und nebenan sehr gut. Aber war froh, überhaupt irgendwo untergekommen zu sein, und es hatte hier alles, sogar einen Geschirrspüler und einen Tumbler. Ein Pluspunkt für die Abreise: Das Zentrum war zwar nicht besonders nahe, aber noch in Gehdistanz.
Die luxuriöseste Unterkunft des ganzen Neuseeland-Aufenthalts.
Zu Fuss musste ich noch ins Industriegebiet zum Spengler, wo mein Schrottauto stand. Denn ich musste die Nummernschilder holen und abgeben, um die Registrierung des Autos zu canceln. Und ich durfte Monika ein Paket für mich selbst senden. Dort würde ich Februar noch einmal hinkommen. Auf diese Weise hatte ich etwas weniger Gepäck auf meiner Reise zur Nordinsel.

