Raglan (2. bis 14. Februar 2025)
Auf der Fahrt von Tauranga nach Raglan bemerkte ich, dass nun auch auf der Nordinsel die Hügel braun waren. In meinem Mietauto, einem alten Nissan Tiida, fühlte ich mich in den Kurven unsicher. Das hatte mit meinem Autounfall zu tun, aber auch damit, dass sich das Mietauto in den Kurven völlig anders anfühlte. Ich fuhr für die Einheimischen zu langsam.
Raglan war im Gegensatz zum Landesinneren auch im Februar sehr grün. Das Meer türkis, leuchtende Farben überall, die Vegetation fast tropisch. Hier anzukommen, fühlte sich sehr nach Ferien an. Meine Unterkunft befand sich ein ganzes Stück ausserhalb von Raglan. Es war ein zu einem Tiny House umgebauter Wohnwagen, dieses Mal aber mit Wasser und Strom. Auf dem Vorplatz hatte es einen Gasgrill, auf dem ich kochen konnte. Dusche und WC waren im Bus, aber nach dem Duschen war das WC nass, da es nicht getrennt war.
Das Tiny House befand sich direkt über dem Parkplatz zum Whale Bay Surf Spot. Ein Surfspot für Fortgeschrittene, nichts für Anfänger wie mich. Grosse schwarze Brocken vulkanischen Gesteins, erstarrte Lava. Rechts war gesperrt, Privateigentum und angeblich eine heilige Stätte, Gräber. Links führte der Weg auch nicht weit. Wenn die Bedingungen günstig waren, konnte ich hier Surfer beobachten und fotografieren. Dabei musste ich allerdings aufpassen, nicht von sand flies gestochen zu werden; auch auf dem Gartenplatz passierte das mehrmals.
Die Surfer sahen nicht alle besonders sportlich aus; einige hatten eine Wampe, manche waren auch ziemlich alt. Aber sie wussten genau, was sie tun mussten und kamen gut zurecht. Mir als Anfänger war es oft nicht klar, warum sie gewisse Wellen nahmen und andere nicht.
Ich nahm mehrere Surflektionen am Ngarunui Beach; ein grosser, schöner Sandstrand zwischen Raglan und meiner Unterkunft. Dazwischen mietete ich auch einfach ein Brett und versuchte es auf eigene Faust. Das Surfen im Weisswasser klappte von Anfang an gut. Es war auch einfach hier, weil der Strand flach war und man im Wasser stehen konnte, um eine Welle zu erwischen. Es hatte viele Leute, aber auch viel Platz, und bei Weisswasser ist es ja nicht so wichtig, wo genau man die Welle erwischt. Es machte mir Spass, war aber auch höllisch anstrengend und mit der Zeit taten mir beide Schultern weh. Ich musste immer wieder pausieren. Insgesamt war ich an sechs Tagen am Surfen.
Wenn ich nicht surfte, war ich so kaputt, dass ich nicht viel unternahm. Ich hielt mich hauptsächlich im Wohnwagen auf, der für einen längeren Aufenthalt schon etwas eng war. Leider konnte ich den Vorplatz nicht oft nutzen wegen der sand flies. Mir war auch gar nicht so klar, was ich hier ausser Surfen hätte tun können. Wanderwege hatte es kaum, ich hatte ohnehin keine Lust zum Wandern; es war heiss und im Wald hatte es aggressive Mücken. Was es auch überall hatte: ganz viele Zikaden – ziemlich grosse, heuschreckenartige Insekten, die in den Bäumen hockten und sehr laut zirpten. Man hörte sie sogar im Auto bei geschlossenen Fenstern, auch tagsüber. Raglan selbst war ein kleines Kaff, ganz nett, aber nicht besonders interessant. Zum Schwimmen war es gut, weil die ins Land hineinreichenden Meeresarme keine Wellen hatten. Schwimmen war ich aber nur einmal kurz. An einem Wochenende, als irgend ein Feiertag war, fand ich in Raglan sehr lange keinen Parkplatz, der Ort war völlig überlaufen. Kein Wunder: Von Hamilton und selbst von Auckland ist es nicht allzu weit hierher. Aber dafür, dass Hochsommer war, war es eigentlich friedlich und angenehm. Insgesamt hat mir Raglan sehr gut gefallen.

