David Lee

Web 1.0

Whakamarama (18. Februar bis 2. März 2025)

Da es mir im Oktober in Whakamarama so gefallen hatte, fragte ich Monika, ob ich noch einmal ein paar Tage hierher kommen konnte. Ich konnte. Als ich den Schotterweg zum Haus hinauffuhr, fühlte es sich fast ein wenig an, als käme ich nach Hause. Rolf und Monika begrüssten mich wieder herzlich, dann gab es Kaffee und Kuchen (Wähe mit einer Frucht aus dem eigenen Garten, eine Mischung aus Zwetschgen und Pflaumen, sehr fein), ich durfte wieder im grösseren Apartment wohnen, denn es war sonst kein Mieter da. Kurz vor meiner Ankunft war ich auch schon im Te Puna Quarry Park, den ich im Oktober so toll fand. Nun blühte nichts mehr, und die Aussicht bei dem trüben Wetter war auch nicht so super. Schön war es trotzdem.

Für meinen zweiten Aufenthalt musste ich nicht einmal etwas bezahlen – denn ich hütete Haus, Katzen und Hühner, während Monika und Rolf in die Ferien fuhren. Die ersten zwei Tage waren sie aber noch da und erklärten mir, was ich genau tun musste.

Besonders viel zu tun gaben Hühner und Katzen nicht, aber über den Tag verteilt musste ich doch an einiges denken. Dabei ging schnell mal etwas vergessen. Am ersten Tag vergass ich zum Beispiel, die Eier aus dem Hühnerhaus zu nehmen, und sie blieben liegen bis 16 Uhr. Das eine Huhn legte sein Ei jeweils schon frühmorgens, das andere so gegen 10 Uhr.


Ich musste das Katzenkistchen ausmisten, mindestens täglich, und Hühnerscheisse einsammeln. Rolf hatte ein super Hühnerhäuschen gebaut, aber die Hühner weigerten sich, darin zu schlafen. Stattdessen übernachteten sie auf einem Hocker neben der Haustür, den sie die ganze Nacht vollkackten. Dort musste ich dann saubermachen und die Frotteetücher waschen, auf denen sie hockten. Vielleicht wollten die Hühner einfach in der Nähe der Menschen sein? Mir gefiel dieser Gedanke.

Ralphi, der 15 Jahre alte Kater, benutzte das Katzentürchen aus irgend einem Grund nicht. Nachts wollte er aber trotzdem nach draussen. Ich glaube, tagsüber hatte er Angst vor den Hühnern. Daher musste ich für ihn abends die Haustür offen lassen, diese aber jeden Morgen um 6:30 Uhr wieder schliessen, sonst wären die Hühner ins Haus gegangen. Die kamen nämlich immer gleich rein, wenn ich mal 30 Sekunden die Türe offen liess. Sie rannten mir auch immer hintendrein und belagerten den Eingang des Apartments.

Wie ich schnell merkte, hatten die beiden Hühner eine Hackordnung. Das Alpha-Huhn war recht fies zum Beta-Huhn. Wenn ich beide gleichzeitig fütterte, bekam das Beta-Huhn praktisch nichts ab, weil es ständig beiseite gehackt wurde. Ich versuchte, es separat zu füttern, was aber nicht immer einfach war, da das Chef-Huhn aufpasste wie ein Polizist und sofort herbeigerannt kam. Es war verstand genau, was hier lief. Die Hühner hatten auch ein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Ralphi wurde schnell zutraulich und fing schon an zu schnurren, wenn er mich nur sah. Lisi, die andere Katze, war ja sowieso schon meine Freundin. Sie schnurrte so leise, dass es kaum hörbar war. Tagsüber pflegte sie auf dem Dachboden der Garage zu dösen, die Rolf zu einer Werkstatt umfunktioniert hatte.

Die Schultern schmerzten immer noch. Ich konnte keinen einzigen Klimmzug machen und auch kaum schmerzfrei liegen.

Da ich die nähere Umgebung ja schon im Frühling ausgiebig erkundet hatte, unternahm ich nicht viel. Lange konnte ich sowieso nicht weg wegen den Tieren. Ich genoss aber meine Zeit sehr in diesem kleinen Paradies und benutzte auch weiterhin fleissig das Jacuzzi. Da ich ja hier der einzige war, machte ich mir nicht die Mühe, extra Badehosen anzuziehen. Prompt kam eine Frau den Weg hochgefahren, stieg aus dem Auto aus und wollte mit mir sprechen. Sie vermisste ihre Katze und wollte wissen, ob ich sie gesehen hatte. Tropfend und mit einem Badetuch umschlungen verneinte ich.

Einmal ging ich noch zwei Stunden surfen. Der Surflehrer erinnerte sich an mich, was mich freute. Ich mietete nur ein Brett, ohne Lektion. Die Wellen waren suboptimal, sie brachen bis fast am Ufer nicht. Weisse Wellen gab es dementsprechend nur als Baby-Version. Grüne Wellen konnte ich noch immer nicht surfen. Immerhin hielten sich die Schmerzen in den folgenden Tagen in Grenzen.

Gitarre üben war hier natürlich auch super, weil ich wusste, dass ich niemanden störte. Ich machte Fortschritte beim Solieren und freute mich darauf, bald wieder mit anderen Musik zu machen.

Monika und Rolf waren viel länger in den Ferien, als ich hier blieb. Es gab daher eine Übergabe an die nächsten Tiersitter. Diese waren allerdings gleichzeitig noch ein anderes Haus am hüten und kamen nur kurz die Schlüssel abholen.