David Lee

Web 1.0

Whangamata (2. bis 7. März 2025)

Zum Schluss gönnte ich mir noch einmal ein paar Tage am Meer. Bei meiner Ankunft war es immer noch sommerlich warm und im Gegensatz zu den folgenden zwei Tagen sonnig. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und ging sofort zum Strand zum Baden. Trotz des schönen Wetters verliess ich den Strand nach dem Baden sofort, ich lag nicht mal aufs Badetuch. Denn es wehte ein starker Wind, der den Sand umher blies.

Terry, der Vermieter, war ein älterer Mann, braungebrannt, ein pensionierter Lehrer und – wie könnte es anders sein – sehr nett. Die Unterkunft war eher so für eine Nacht, es war ähnlich wie vielerorts: Keine Küche, aber Wasserkocher, Geschirr und ein kleiner Kühlschrank. Das Zimmer befand sich unter Terrys Wohnung, dessen Schritte ich nachts hörte. Es war okay, aber nichts im Vergleich zu Terrys Wohnung darüber, die prächtig eingerichtet war und eine Terrasse mit herrlichem Panorama hatte.

Wir befanden uns etwas ausserhalb von Whangamata, in der Nähe des Hafens. Ich entdeckte, dass das ganze Hafenareal öffentlich, ruhig und schön war. Daran angrenzend lag ein kleiner, menschenleerer Park, wo ich einmal badete. Dort hatte es keine Wellen und daher konnte ich gut schwimmen – allerdings war das Wasser überall so seicht, dass es mir höchstens bis zu den Hüften reichte, selbst bei Flut. Bei Ebbe waren Teile des Flusses sogar im Trockenen. Ich frage mich, ob die Yachten keine Kiele hatten.

Im Park beim Hafen.

Einmal – noch ein letztes Mal – mietete ich ein Surfbrett. An jenem Tag waren die Wellen allerdings selbst für einen Anfänger wie mich etwas langweilig. Es war aber auch ein gutes Gefühl, mal alles im Griff zu haben und nicht überfordert zu sein. Nach den ersten zwei oder drei Tagen drehte der Wind auf Süden; es war nun sonnig, aber merklich kühler. Das Meer blieb natürlich angenehm warm. Das da unten bin natürlich nicht ich – ich fand es nur bemerkenswert, dass da einer mit einem SUP surft.

Whangamata selbst war ein kleines Kaff; es gab einige Restaurants, alle an der gleichen Strasse, und einen Supermarkt. Sauerteigbrot gab es nicht, generell war hier es für mich hier schwierig, etwas zu essen, das mein empfindlicher Darm mochte. Cool war, dass ich von Terry ein Fahrrad ausleihen konnte. Der Weg in die Stadt hatte die perfekte Fahrraddistanz.

Mein einziger grösserer Ausflug von hier führte mich nach Tairua, das weiter nördlich am Meer liegt. Der ganze Küstenabschnitt der Coromandel-Halbinsel ist wunderschön. Die Strasse dahin hatte viele Kurven, ein kleiner Gebirgspass sozusagen, wieder fuhr ich natürlich für die Einheimischen viel zu langsam. Ich musste mir einschärfen, dass das egal ist, wenn die sich über mich aufregen – das einzige was zählt, ist dass ich nicht noch einmal einen Autounfall baue. In Tairua zog es mich sofort an den sehr schönen Sandstrand, an dem morgens um halb zehn praktisch niemand war. Umkleideräume sah ich keine; zum Baden war es nun aber eh etwas kühl. Ich spazierte auf den Mount Paku, ein kleiner Berg direkt am Meer bei der Ortschaft. Gemäss Wegweisser wären das 45 Minuten hin und zurück gewesen, nach 10 Minuten war ich oben. Sehr schöne Aussicht. Da immer noch viel Zeit war, fuhr ich ans andere Ende des Strandes. Auch dort gab es keine Umkleideräume. Ich sass eine Weile am Meer und hörte dem Rauschen zu. Zwei Leute getrauten sich ins Wasser, beide kamen sehr schnell wieder heraus. Die zweite machte den Eindruck einer sehr guten Schwimmerin. Somit war ich mir sicher, dass das Wasser für mich zu kalt gewesen wäre zum Baden. Weiter nördlich wäre der Hot Water Beach gewesen, wo es geothermisch warmes Wasser hat. Aber es war gerade Flut, und bei Flut sind die Hot Spots überschwemmt. So fuhr ich wieder zurück.


In Whangamata war ich auch noch auf dem Polizeiposten. Meine Versicherung wollte einen Beweis, dass mein Autounfall wie von mir behauptet stattgefunden hatte – also im Prinzip ein Unfallprotokoll, aber das gab es hier nicht. Ich hatte wenig Hoffnung, dass das klappte, doch die Frau am Schalter war sehr freundlich und stellte mir ein Dokument zur Bestätigung aus – und zwar genau so, wie ich es haben wollte. Dies, obwohl es gar keinen Polizeirapport zu meinem Unfall gab. Wow. In der Schweiz kaum denkbar, in Deutschland gänzlich unmöglich.